Was eine Frozen Shoulder ausmacht
Bei der Frozen Shoulder, medizinisch adhäsive Kapsulitis oder Schultersteife, entzündet sich die Gelenkkapsel der Schulter und schrumpft. Das Gelenk verliert dadurch Spielraum — nicht, weil ein Muskel zu schwach wäre, sondern weil die Kapsel die Bewegung mechanisch begrenzt.
Kennzeichnend ist: Die Beweglichkeit ist auch dann eingeschränkt, wenn jemand anderes den Arm führt. Das unterscheidet die Schultersteife von vielen anderen Schulterproblemen, bei denen passive Bewegung weiter möglich bleibt.
Häufig betroffen sind Menschen zwischen 40 und 60 Jahren, Frauen etwas öfter als Männer. Manchmal geht eine Ruhigstellung nach Verletzung oder Operation voraus. Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei Diabetes mellitus und Schilddrüsenerkrankungen. In vielen Fällen lässt sich kein Auslöser finden.
Die drei Phasen
1. Einfrierphase. Über Wochen bis Monate nehmen die Schmerzen zu, besonders nachts und beim Liegen auf der betroffenen Seite. Die Beweglichkeit geht allmählich zurück. Diese Phase dauert typischerweise drei bis neun Monate.
2. Steife Phase. Der Ruheschmerz lässt nach, die Einschränkung bleibt. Der Arm lässt sich kaum noch nach außen drehen oder heben — Haare kämmen, in die Jackenärmel schlüpfen oder den Sicherheitsgurt greifen wird zum Problem. Dauer etwa vier bis zwölf Monate.
3. Auftauphase. Die Beweglichkeit kehrt schrittweise zurück. Auch diese Phase braucht Zeit, oft sechs Monate bis zwei Jahre.
Der Verlauf ist also langwierig, in der Mehrzahl der Fälle aber gutartig. Genau deshalb ist es wichtig, die Erkrankung früh einzuordnen — dann lassen sich Schmerzen lindern und die steife Phase verkürzen, statt monatelang auf die falsche Behandlung zu setzen.
Woran Sie eine Schultersteife erkennen
- Zunehmende Bewegungseinschränkung in alle Richtungen, besonders bei der Außendrehung
- Nachtschmerz und Probleme beim Liegen auf der betroffenen Schulter
- Der Arm lässt sich auch mit fremder Hilfe nicht weiter bewegen
- Kein eindeutiger Unfall als Auslöser
- Ausweichbewegungen über das Schulterblatt beim Heben des Arms
Behandlung: was in welcher Phase sinnvoll ist
In der schmerzhaften Einfrierphase steht die Schmerzlinderung im Vordergrund. Forciertes Dehnen ist hier kontraproduktiv und kann die Entzündung verstärken. Sinnvoll sind entzündungshemmende Medikamente, gezielte Injektionen an das Gelenk sowie schonende Bewegung im schmerzfreien Bereich.
In der steifen Phase gewinnt die Physiotherapie an Bedeutung: geführte Mobilisation und regelmäßige Eigenübungen, die Sie zu Hause fortsetzen. Ergänzend können manuelle Therapie, physikalische Maßnahmen und Akupunktur zum Einsatz kommen.
Erst wenn über einen längeren Zeitraum keine Besserung eintritt, werden weiterführende Verfahren erwogen. Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam und in Ruhe — die allermeisten Schultersteifen bessern sich ohne Eingriff.
Was in jeder Phase gilt: Die Schulter sollte nicht vollständig ruhiggestellt werden. Regelmäßige, dosierte Bewegung ist der wichtigste Beitrag, den Sie selbst leisten können.
Wie wir vorgehen
Zur Untersuchung gehört die Prüfung der aktiven und der passiven Beweglichkeit — der entscheidende Schritt, um die Schultersteife von einem Sehnenproblem der Rotatorenmanschette oder einem Engpasssyndrom zu unterscheiden. Mithilfe der Ultraschalluntersuchung können wir Sehnen und Schleimbeutel direkt in der Sprechstunde beurteilen.
Danach besprechen wir einen Plan, der zur jeweiligen Phase passt, und begleiten den Verlauf über die Monate. Bei Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen achten wir zusätzlich darauf, dass die Grunderkrankung gut eingestellt ist.